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Jeder für sich - ein Trend im Sommer 2006

In einer ziemlich bewegten Zeit gingen damals viele eigene Wege statt miteinander zu reden. Hat sich daran viel geändert? Am 19. Juni 2006 hatten wir zwischen den WM- Spielen Zeit für diese Zeilen.
Alleingänge enden oft einsam

Wir haben dem Gewitterregen am Sonntagnachmittag getrotzt. Unser WM Zelt leider nicht. Das Dach hat die enorme Regenmenge nicht ausgehalten und ging zu Bruch. Niemand kam zu Schaden und wir werden das auch wieder reparieren. Als wir dann völlig durchnässt die Partie Japan gegen Kroatien verfolgten (das Spiel endete ziemlich fad mit 0:0) dachten wir, diesmal ohne irgendein Getränk, über das Geschehen der letzten Tage nach.

Dazu fiel uns ein Vergleich ein. Wenn man ein Ziel erreichen will, kann man sich entscheiden ob im Alleingang oder mit Unterstützung eines Teams. Im Sport gibt es da eine Menge Beispiele. Eine Fußballmannschaft ist ein Kollektiv (meistens) und selbst der berühmte Michael Ballack sagt wenn er das Siegestor geschossen hat: „Hauptsache die Mannschaft hat gewonnen.“ Damit stärkt er die Mannschaft und letztendlich sich selbst. Der nächste Pass kommt sicher an.

Ein Boxer ist ein Einzelkämpfer (das sieht man im Gesicht, speziell dann wenn er verloren hat) aber auch er hat ein Team im Hintergrund. Auch er hat Leute die ihn anfeuern, massieren und ihm die Nähte setzen. Der Radfahrer sowieso. Er hat seine Wasserträger, die ihn vorne recht bequem radeln lassen. Wehe, wenn einer von denen seinen Dienst verweigert. Der Siegertyp vertrocknet im wahrsten Sinne des Wortes. Formel 1. Ein „Schumi“, egal ob geschummelt oder nicht, kann ohne seine Boxenleute nicht einen einzigen Sieg herausfahren. Und letztlich der Bergsteiger. Ohne Basiscamp und entsprechende Vorbereitung geht da gar nichts. Außer man heißt Reinhold Messner. Und der überlässt auch nichts dem Zufall.

Also wir fassen zusammen. Alleingänge sind nur dann erfolgreich, wenn man sich seiner psychischen und physischen Kraft bewusst ist. Weil die Luft ganz oben ja bekanntlich sehr dünn wird und die Kollegen im Basislager nur bedingt helfen können. Hier in unserer lieblichen Gemeinde machten sich dieser Tage Einige auf, um einen Alleingang zu starten. Ob das vorbereitet, spontan oder einfach nur übermotiviert ist, wissen wir nicht. Unübersehbar war aber, dass da so manche auf ein Ziel lossteuern ohne zu wissen, was sie am Ziel ihrer Träume wirklich erwartet.

Nun wird es schwierig. Wenn zu viele Einzelkämpfer auf dasselbe Ziel lossteuern, wird es nicht nur eng, sondern auch ruppig. Da können schon so manche gute Alleingänger auf der Strecke bleiben. Und so hatten wir dieser Tage den Eindruck, dass bei allem sportlichen Ehrgeiz die verschiedenen Teams nicht wussten, wer da wie einzeln kämpft. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass so mancher bereits errungene Gipfelsieg bestehen bleibt, weil die Alleingänger einfach am neuen Versuch scheiterten. Wir arbeiten lieber im Team zusammen und machen nur das, was wir gelernt haben.

Michael Vukovits für JÖ-SCHAU
Quelle Jö-Schau
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